Pure Energy? Kristalle & Nachhaltigkeit

Carla Sophie hat vor zweieinhalb Jahren die Recherche über Nachhaltigkeit im Kristallabbau begonnen. Ausgangssituation war der Anblick einer Mine in Brasilien, der ihre romantischen Vorstellungen von der guten Energie der Steine trübte und sie dazu anregte, Alternativen zu schaffen. 

Kristalle und Edelsteine erleben eine Renaissance. Obwohl seit Jahrtausenden an die geheimnisvolle Kraft der Steine geglaubt wird, sind sie nun beliebter als je zuvor. In einer Zeit, in der Esoterik entstaubt wird, erzählen Promis wie Adele, Gwyneth Paltrow und Oprah Winfrey selbstverständlich von ihren Kristallen als tägliche Begleiter. Modeketten wie H&M oder szenige Boutiquen verkaufen „Kristallschmuck“. Auch in der Yogaszene funkeln die Heilsteine jetzt öfter durch das Tragen von Mala-Ketten oder als Meditationsstein. Im Interior Design entdeckt man Mineralien und Kristalle immer mehr als Accessoire oder als Material für Tische, Waschbecken, ja sogar Küchenplatten.

Doch welche Auswirkungen hat dieser Trend auf die Natur? Woher kommen Kristalle und wer baut sie ab? Beeinflussen die Abbauprozesse die Energie der Steine? Wie dürfen wir als Konsumenten öfter ins Handeln kommen?

Bergkristallgruppe auf Matrix aus Österreich © Carla Sophie Tiemann 2017

Meine Recherche begann 2015, als ich gerade aus Brasilien wieder kam. Dort sah ich das erste Mal eine Mine, in der Kristalle abgebaut wurden. Brasilien war der Auftakt eines Jahres, in dem ich nur meiner Intuition folgen wollte. Das Studium in Social Entrepreneurship war in der Tasche – dementsprechend gepolt mein Auge auf Nachhaltigkeit.

Die Kristalle hatten es mir angetan. Faszinierend wirkten sie auf mich und ich wollte nach der Minenerfahrung einen fair gehandelten Kristall für mich zum Meditieren. Ich stellte folgende Kriterien für mich auf: Keine Umweltzerstörung, faire Löhne und hohe Sicherheitsstandards für die Arbeiter*innen, vollkommene Transparenz, so dass ich weiß, woher der Kristall kommt und einen unbearbeiteten Rohstein. Ich wollte einen Stein, so wie die Natur ihn geschaffen hat. Niemals hätte ich geahnt, dass meine Recherche und mein Einsatz für die Welt der Kristalle mal mein Leben werden sollten.

Die traurige Wahrheit: Minenabbau und Bearbeitung der Kristalle

Der Abbau von Kristallen ist in vielen Fällen alles andere als spirituell, weil er in Form von größeren Minen als auch kleineren Bergwerken vollzogen wird. Dabei wird häufig die Umwelt stark beschädigt, weil zunächst Wälder gerodet, Löcher gegraben und Fels gesprengt werden muss.

Natürlich in Entwicklungsländern, denn überall sonst wären die Landschaftsgebiete Nationalparks oder die Natur zumindest geschützter. Die meisten Mineralien, die wir in Europa in unseren Läden, vor allem den Esoterikshops finden, sind von Übersee und die Wertschöpfungskette kaum nachzuverfolgen.

Wie beim Abbau anderer natürlicher Ressourcen auch meist der Fall, gibt es einige Vorfälle von Kinderarbeit und schlecht bezahlte und ausgebeutete Arbeiter*innen. Die Sicherheitsstandards sind gering, die Luft in den Schächten schlecht. Blühende Natur verwandelt sich in elendige Mondlandschaft. Mutter Erde wird ausgeraubt und geplündert. Hier geht es niemanden um Energie oder Heilung, sondern alleinig um Wirtschaftlichkeit bzw. Profit!

Wenn der Fels gesprengt ist, wird nach Kristallen gesucht. Sie müssen dann für den Weiterverkauf in die Formen bearbeitet werden, die Konsumenten mögen – Kugeln, Pyramiden, Obeliske. So werden die Steine um die ganze Welt verschifft und geflogen um geschnitten, geschliffen, poliert, gefärbt, bedampft, erhitzt und manchmal sogar radioaktiv bestrahlt zu werden.

Besonders beliebt sind „Trommelsteine“. Dabei werden Rohsteine in einer Maschine mit Schleifpulver über Stunden so stark aneinander gerieben, sodass die beliebten Handschmeichler daraus werden.

Es ist die Masse, die bedient werden will.

Unmengen an bearbeiteten Rosenquarzen, Bergkristallen und riesige Amethystdrusen sind gefragt! Alles was glänzt und schillert, wollen die Konsumenten.

Auf einer großen Mineralienmesse fragte ich einen Marokkaner, wie denn die Drusen gefärbt werden. Er lacht und antwortet: „Bucket. Water. Powder. Crystal Inside. Crystal Out. Pink!“

Marokkanische, Gefärbte Quarz-Drusen, © Carla Sophie Tiemann 2016

Kristallklar: Ohne Transparenz keine Nachhaltigkeit!

Die wohl größte Herausforderung der Kristallindustrie ist die Transparenz. Denn Nachhaltigkeit geht nur mit Transparenz, wenn es uns möglich ist, die Herstellung und die Herkunft eines Produktes zu 100% nachzuvollziehen. Viele Händler wissen oft selbst nicht, woher ihre Waren genau kommen, weil die Fundorte geheim bleiben sollen. Einmal um Konkurrenten fernzuhalten und um illegale Fundorte, zum Beispiel in geschützter Natur, zu vertuschen. Deshalb wird zum Beispiel häufig deklariert, Kristalle seien aus dem Himalaya, weil das Hochgebirge in Asien mit Reinheit assoziiert wird. Aus welchem der vielen Länder, die Teil des Himalayas sind, die Kristalle nun wirklich kommen und ob überhaupt von dort, lässt sich meist nicht überprüfen.

Die Arbeit von Miyanzaa Oo, der in Burma versteckt in einer großen Jademine recherchiert hat, portraitiert eindrücklich die sozialen und Umweltfolgen des Jadeabbaus. Da Jade vor allem in China beliebt ist und von dort in die ganze Welt exportiert wird, wird sie geschmuggelt und als „Chinesische Jade“ ausgegeben. Profitieren tun davon nur die Minenbesitzer, ein machtvoller Familienclan, der von der burmesischen Regierung unterstützt wird. Genau das gleiche ist mit anderen Edelsteinen bekannt, die in andere Länder geschmuggelt und dann mit falscher Herkunft gekennzeichnet werden.

 

Mögliche Auswirkungen auf die Energie

All diese Erkenntnisse sind erschreckend. Nehmen wir an, dass vor allem Quarze Energie speichern und wir ja eigentlich mit positiver Energie arbeiten möchten, müssten die Auswirkungen auf die Frequenz eines Heilsteins stark von Herkunft, Behandlung und Menge an den Energien abhängen, denen der Kristall ausgesetzt wurde. Wenn ein Stein von Brasilien nach Pakistan nach China für all die Bearbeitung geflogen oder verschifft wird, dann hatten extrem viele Leute diese Kristalle in den Händen und sie waren an vielen verschiedenen Orten. Sie liegen in den Läden und Messen, wo ebenfalls viele Menschen sind. Wenn Kristalle Energie speichern, müsste im schlechtesten Fall die Energie der geschundenen Arbeiter*innen, des Verpackers, diverser Händler, der Schleifer, Schmuckmacher, des Flugzeugs, des Ladens und jedem Interessenten die Energie beeinflusst haben.

Darüber hinaus wäre eine zweite interessante Fragestellung, inwiefern es wichtig ist, dass die Adern von Quarz und Mineralien unter der Erde bleiben. Denn wenn man an ein Energiefeld in der Erde glaubt, wird dies maßgeblich von den Quarzadern, also dem Netzwerk an bestimmten vorkommenden Mineralien bestimmt. Beuten wir den ganzen Amethyst aus Uruguay aus, würde dies einen Effekt auf die gesamte energetische Stabilität des Landes haben.

Vor allem Online-Shops profitieren von dem Trend. Wo das Bewusstsein für Nachhaltigkeit im Bereich Mode, Transport und Ernährung schon geschärft ist, bleibt bei den Steinen oft der Gedanke der Herkunft fern.

Crystal Soul Projekt

Wenige Monate nach Beginn meiner Recherche wollte ich die Suche nach unbearbeiteten Fairtrade Kristall aufgeben. Die Ergebnisse waren für mich unbefriedigend und ich fand keinen Anbieter, der meinen Kriterien entsprach. Dann hatte ich eines Morgens die Idee: Gibt es nicht Kristalle in den Alpen? Ich brauche Kristalle in Europa, damit ich die Wertschöpfungskette besser nachvollziehen kann. Bei weiterer Recherche stellte sich dann heraus, dass auch in Portugal, Romänien und Italien Bergwerke existieren. Die einzige Möglichkeit, Kristalle aus der unberührten Natur zu bekommen, war, Bergsteiger zu finden, die in den Alpen Kristalle suchen. Viele Mails und 13 Stunden Autofahrt in die Schweiz später mit der Mission diese Kristallsucher zu finden, stellten sich als Volltreffer heraus. Nach wundersamen Begegnungen am Berg, Geschichten von Sammlern über die Funde und viele Kaffeebecher später nahm das Crystal Soul Projekt Form an. Mittlerweile, nach 2,5 Jahren, ist es meine alltägliche Arbeit, Menschen dabei zu begleiten, ihren ganz persönlichen, nachhaltig gehandelten Kristall zu finden. Diese rohen rauen Kristalle sind für mich einfach das perfekte Design der Natur.

Österreich Auf Kristallsuche 2017 © Carla Sophie Tiemann

Nie wieder Kristalle? Lösungsvorschläge

Wie? Nie wieder Kristalle? Nein – ganz so schlimm ist es nicht, denn es gibt neben mir auch noch weitere Onlineshops, die nachhaltiger gehandelte Kristalle führen. Damit ihr den kristallklaren Durchblick behaltet, habe ich euch ein paar wichtige Tipps zusammengetragen.

  1. Achtsamkeit beim Kauf

Kritische Käufer verschärfen das Bewusstsein der Händler – du kannst mit deinen Fragen und deinem Kaufverhalten bereits einen wichtigen Beitrag leisten! Du kannst nach dem GKS Siegel Ausschau halten, welches für die Echtheit und Natürlichkeit der Kristalle steht. Jegliche Form von Behandlung muss dann gekennzeichnet werden. Somit ist dies für dich viel transparenter. Außerdem gibt es das Label Fair Trade Minerals & Gems (FTMG), ein Verein, bei dem Anbieter Mitglieder werden können. Dies ist ebenfalls auf den Homepages direkt gekennzeichnet. Die meisten der angebotenen Kristalle sind von Übersee (CO2 Ausstoß!) und trotzdem geschnitten, geschliffen und poliert. Das ist einfach sehr gefragt. Bei Fairtrade geht es also um Transparenz, mehr Schutz der Natur und faire Löhne und nicht darum, ob es ein Rohstein ist. Selbstverständlich darfst du dich wie bei allem Besitz fragen: Wieviele Kristalle brauchst du wirklich?

  1. Intuition statt Bücherkategorien

Außerdem rege ich dazu an, die bekannten Kategorien „Symptom/Fragestellung – Stein“ zu überdenken. In der traditionellen Kristallheilung existieren bestimmte Kategorien, nach denen man seine Symptome und den dazu passenden Heilstein auswählen kann. Dies ist im Internet und in diversen Büchern nachzuschauen. Das führt oft zu dem Tunneleffekt, dass der Käufer nach einem ganz bestimmten Stein sucht. Jedoch sind die meisten Mineralien länderspezifisch. Larimar, den türkisen Stein der Meere, gibt es nur in der Dominikanischen Republik. Oder Lapislazuli kommt meistens aus Afghanistan. Wenn man dann darauf verharrt, genau solch einen Stein kaufen zu wollen, ist es egal, wenn der Kristall aus einem intransparenten Krisengebiet und einem Händlerkuddelmuddel stammt. Das eigene Glück scheint in dem Moment wichtiger. Und die Farbe ist auch so schön!

Vielmehr als das Folgen einer rationalen Herangehensweise könntest du in Zukunft schauen, wie du deine Intuition stärker trainieren und nutzen kannst, um den für dich passenden Kristall zu finden. Jenseits von Kategorien wirst du dann auf deinen Soulmate treffen, der dich gerade am meisten unterstützen kann und gehst ins Fühlen.

Meditiere regelmäßig mit dem Kristall und schaue, was für Themen sich zeigen. So gibst du nicht die Verantwortung an den Kristall ab, dass er dir durch seine Energie helfen soll, sondern beginnst, die Heilenergien für eigene Erkenntnisse zu nutzen. Dies wünschen sich die Kristalle am meisten – dein persönliches Seelenwachstum. Wenn du nicht richtig weißt, wie du damit beginnen sollst, dann nimm an einer Kristall-Meditation teil. Meine nächste KristallMeditation findet im Mai in Hamburg statt.

  1. Rückverbindung mit der Natur

Kristalle tragen die Energie der Natur in sich. So wie Pflanzen, Bäume und Wasser auch, haben sie ein Bewusstsein, mit dem du dich verbinden kannst. Wenn du an Feen oder andere Naturgeister glaubst, kannst du sie direkt bitten, mit dir zusammenzuarbeiten. Wenn du draußen in der Natur bist, könntest du in eine Zeremonie oder in Meditation gehen mit dem Wunsch, dich mit dem kristallinen Feld zu verbinden. In jedem Menschen stecken all die Mineralien und Kristalle, die auch in der Natur zu finden sind. Du stellst damit eine Rückverbindung zwischen dir und der Erdenergie her, die einen enormen Heileffekt haben kann. Daher ist Heart-Connection und eigene Intuition der Schlüssel zur Arbeit mit Kristallen.

Fazit

Der Kristall-Trend hat das große Potenzial, uns wieder mehr Bewusstsein für die Natur zu schaffen und wirklich wieder mit ihr in Kontakt zu gehen. Die Faszination von Edelsteinen und Quarzen sorgt dafür, dass wir die Perfektion in uns erkennen, wenn wir sie in der Natur sehen. Groß gedacht, kann die Fähigkeit die Natur wieder zu spüren, enorme Auswirkungen auf unser tägliches Verhalten und unsere Entscheidungen haben. Nachhaltigkeit und spirituelle Entwicklung gehören also zusammen.

Ich hoffe, ich konnte dich mit diesem Artikel und meiner persönlichen Geschichte zu Kristallen inspirieren.

Hast du eine besondere Erfahrung mit Kristallen gemacht, die du mit mir und uns teilen möchtest? War vieles für dich im Bezug auf Nachhaltigkeit und Kristalle neu? Dann schreib mir gern eine Nachricht.

Alles Liebe für euch,

Eure Carla

 

Finde deinen persönlichen Kristall:

Crystal Soul

Wenn du komplett unbearbeitete Kristalle haben möchtest, die aus der unberührten Natur kommen und keine weiten Wege hatten, kannst du von europäischen Mineraliensammlern kaufen. Das Projekt existiert seit Anfang 2016 und verkauft ausschließlich von Bergsteigern aus den Alpen gesammelte Kristalle. Alle Fundorte sind direkt gekennzeichnet und jeder Bergsteiger braucht eine Sondergenehmigung und unterliegt einem Codex. Jeder Kristall trägt seine ganz persönliche Botschaft für dich. Zur Anmeldung

Zertifizierungen:

FTMG http://www.fairtrademinerals.de/index.php/verein/ueber-ftmg-ev.html

GKS: http://www.gks-zertifizierung.de

Minzayar Oo: https://www.instagram.com/minzayar_oo/ 

Infos zum Kristallabbau:

 

Jade: https://www.youtube.com/watch?v=kwGuSUM2kh0&feature=share

https://www.youtube.com/watch?v=G5gtvZoykUQ&feature=share

Amethyst: https://www.youtube.com/watch?v=i_NEC-CiGTw

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http://www.mineral-forum.com/message-board/files/amethyst__artigas__uruguay__a_little_bit_more_100.jpg

http://www.jungle-gems.com/newsletter/05-03/P5AmyMineUruguay.jpg

Saphir: https://www.youtube.com/watch?v=sY19W9tx4KQ